| Sein oder Schein - das ist hier die Klage!
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Walter Leisler-Kiep, 20 Jahre lang Schatzmeister der CDU, wird vom Amtsgericht Königstein angeklagt, 1991 Schmiergelder in Höhe von einer Million D-Mark vom untergetauchten bayrischen Waffenhändler und CSU-Mitglied Karl-Heinz Schreiber angenommen und an der Steuer vorbeigesteuert zu haben. Steuerhinterziehung. Korruption. Haftbefehl. Zur Fahndung ausgeschrieben: Der Schatzmeister der Christdemokraten! Mein Gott, Walter! Der Beklagte erinnert sich noch ganz schwach, dass er die Scheine seinerzeit wohl in die Kaffeekasse der Partei gelegt habe. Walters Krönung! Horst Weyrauchs auch. Steuerberater der CDU. Weihrauch für die Christdemokraten. Eine Million! Mea Culpa! Zu viel Material für Kaffeeklatsch. Verhöhnaroma! 36 Spürpanzer von Thyssen für Saudi-Arabien, für die Arbeitsplätze, für die CDU, für die Kaffeekasse... Letztere kann sich auch an nichts mehr erinnern und selbst Ex-Kanzler Kohl ist schlichtweg überfordert. Waffenhandel? So etwas Unappetitliches machen doch ohnehin nur Ghaddafi, Carlos oder Iwan, der Schreckliche. Amigos, ihr denkt doch nicht etwa...? Da dreht sich einem ja der Saumagen um! Nein, das Gericht denkt nicht, denkt nicht so. Es honoriert das damalige konjunkturfördernde und arbeitsplatzschaffende Engagement des Schatzmeisters mit einem Deal und fordert von Leisler-Kiep lediglich die Hälfte der strittigen Summe als Schmiergeld zurück. Fifty-Fifty. Für eine halbe Mille auf freiem Fuß. Luther nannte das Ablasshandel. Heute nennt man derartige Kungeleien zwischen Gleichgesinnten Kaution und findet das allerorts total normal und der inneren Gerechtigkeit der Welt entsprechend. Soviel zum manifestierten Gerechtigkeitsempfinden einer Species, die seit ihrem unaufhaltsamen Abstieg aus den Baumkronen die Gerechten aus ihrer Mitte mit weit mehr als Ablass und sonstiger Rechtsstaatlichkeit verhöhnte: Jesus von Nazareth, Giordano Bruno, zahllose namenlose Hexen, Sophie Scholl, Nelson Mandela, Walter Janka, Ernesto Guevara-Serna, Nino Aquino, Ken Saro-Wiwa, Carmen Gloria Quintana… BGB. Bürgerlicher Gesetzbruch! Code civil! Auf deutsch: Zuviel Scheiße! Nicht zuletzt bestätigte das Zivilgericht mit dieser alltäglichen Entscheidung im Nachhinein die Richtigkeit des Handelns des Beklagten. Denn wovon hätte Leisler-Kiep heute die Kaution bezahlen sollen, hätte er sich damals nicht schmieren lassen?... Die Geschichte der Menschheit: eine einzige Schmierenkomödie! Doch wirklich angeschmiert - und das zu Recht - sind immer nur die Steuerzahler, die in schöner Regelmäßigkeit die schleimigsten Schmierenkomödianten zu ihren Publikumslieblingen wählen. Denn Schreiber und all die anderen frei unter uns herumlaufenden Bio-Waffen haben sich, zusammen mit ihren Millionen, doch schon längst von der Steuer abgesetzt. Die Angst unserer Steuermänner vor der Steuer macht uns steuerlos. Ein trauriges Los! Seid verschlungen, Millionen! Im Namen des Gesetzes! Das Hohe Gericht verlässt den Verhandlungssaal. Die Behandlung ist verendet. Und Kiep? Auf Kaution frei! Kiep smiling! Das Gericht genehmigt ihm eine Dienstreise in das Paradies amoklaufender Kaugummiboys. Keine Fluchtgefahr. Schließlich hat man es nachgewiesenermaßen mit einem Ehrenmann zu tun. Ehrenmann Schreiber war nach Hinterlegung seiner Kaution übrigens so frei, nun doch lieber in Kanada Landschaftspflege zu betreiben. Weitere Landschaften, weitere Felder... Noble Entscheidung! Denn so führt man unsere geplagten Politiker wenigstens nicht unnötig in weitere Versuchungen. Bei seiner Ankunft hinter dem großen Teich wird sich Leisler-Kiep genauso sicher wie zu Hause fühlen können: Bill Gates, Golden Gates, Watergates... Brückenpfeiler in die neue Welt. Die dortigen Verhüter des Gesetzes klagen zur Zeit - nach erfolgreicher Ausrottung der Indianer - den elfjährigen Raoul Wütrich wegen Kindesmissbrauchs an. Raoul hatte seiner kleinen Schwester beim Pinkeln geholfen. Brüderchen und Schwesterchen. A little bit Monika and Mister Präsident. Nur dass man den kleinen Billy damals nicht mit Hand- und Fußfesseln aus dem ‚Weißen Haus’ geführt hatte. Mitten in der Nacht! Schmierenkomödie! Seifenoper! Kindesmissbrauch in Golden, Colorado. Goldenes Colorado! El Dorado theatralischer Flachbrettbohrer. Hollywood! Wie im richtigen Denver-Clan: „Hör mal, wie behämmert!“ Alf und die anderen Außerirdischen lachen sich tot. Und ringsherum um den kleinen Raoul vergewaltigen und morden die Freiheitsstuten und -hengste in Film, Funk und Fernsehen, im Internet und in der Wirklichkeit Milliarden unschuldige Kinderseelen! Zirka Fünfhundertmillionen Umsatz macht zur Zeit allein die deutsche Kinderpornoindustrie. Potenz steigend... Armer Raoul! Arme, beklagenswerte Kinder, wo doch eure einzige Schuld darin besteht, dass ihr später einmal in die Fußstapfen eurer Vergewaltiger, Richter und Schatzmeister treten werdet. | |||||